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Back to normal

Wir sind zurück im Office – zumindest in Teilzeit

Nachdem wir im Team nun bereits seit drei Monaten nur virtuell kommunizieren konnten, freuten wir uns alle darauf, heute endlich wieder ins Büro zu kommen, uns mal nicht via E-Mail, Skype oder Telefon auszutauschen, sondern einander bei Gesprächen in die Augen zu schauen – natürlich stets mit dem vom BAG empfohlenen Abstand. Back to normal – oder ist der Homeoffice-Alltag schon zur neuen Normalität geworden? Und was bedeutet in diesen Zeiten eigentlich «normal»?

Nun, ich habe mich definitiv schon daran gewöhnt, einen äusserst kurzen Arbeitsweg zu haben. Es fühlte sich heute Morgen in der Tat seltsam an, das Haus zu verlassen, in den vollen Zug zu steigen, all die Menschen um mich herum wahrzunehmen – die letzten Monate waren es nur mein Laptop, mein Partner und ich. Aber es tat auch gut, meinen Küchentisch gegen einen ergonomischen Arbeitsplatz zu tauschen, den Gesprächen im Zug zu lauschen und morgens nicht quasi vom Bett zum Esstisch zu schlendern, sondern vor der Arbeit noch kurz etwas frische Luft zu tanken.

Aber ganz so wie vor dem Lockdown ist der Tag heute doch nicht. Viele Menschen im Zug tragen Masken, der Sitz neben einem bleibt leer – egal, wie voll der Zug auch ist. Wenn jemand niest oder hustet, schauen viele ganz misstrauisch. Die Tische bei uns im Büro wurden auseinandergeschoben, damit wir die 2 Meter Abstand einhalten können. Der vertraute Grossraumbüro-Lärm ist aufgrund der limitierten Personenanzahl im Büro nicht zu hören. Im Gegenteil: Es ist extrem still. Bei Bedarf einfach in die Caféteria gehen und mir einen Kaffee rauslassen – auch das ist nicht uneingeschränkt möglich, da auch da die 2-Meter-Regel gilt.

Ich habe den Eindruck, dass aufgrund der Abstandsregeln alles etwas langsamer verläuft – man lernt, die Dinge etwas gelassener zu nehmen und Geduld zu haben. Ich schätze die Gespräche mit meinen Kolleginnen heute besonders – nicht, dass ich mich sonst daran gestört hätte, aber ich nehme sie einfach bewusster wahr, im Wissen, dass das nicht selbstverständlich ist. Und das Mittagessen – ach, wie schön es doch ist, in der Mittagspause meinen Laptop nicht zur Seite schieben zu müssen, um meinen Teller auf denselben Tisch zu stellen, an dem ich den ganzen Morgen gearbeitet hatte. Ich glaube, ich habe meinen Salat am Mittag noch selten so genossen.

Um nun auf meine Frage zurückzukommen: Was ist in diesen Zeiten eigentlich normal? Die Masken tragenden Menschen, die Markierungen am Boden, die Plexiglasscheiben im Supermarkt – ich nehme sie kaum noch wahr. Und Sie? Desinfizieren Sie sich auch ganz selbstverständlich die Hände, als hätten Sie das schon immer so getan, wenn Sie ein Lokal betreten? Back to normal bedeutet nicht, dass alles wieder so ist wie vor dem Lockdown. Es bedeutet wohl, dass eine neue Art von Normalität auf uns wartet, die uns jedoch hoffentlich die Stabilität im Alltag gibt, die wir alle brauchen.

Aber ist die neue Normalität nur schlecht? Vor der Corona-Pandemie habe ich vieles in meinem Leben als selbstverständlich erachtet. Abends nach der Arbeit ins Fitnessstudio, am Wochenende ins Restaurant, ins Kino oder in einen Club gehen, meine Freunde und Familie treffen – das war alles uneingeschränkt möglich. Die dreimonatige Isolation hat mich gelehrt, manche Dinge bewusster wahrzunehmen und dankbarer zu sein. Ich selbst war seit den Lockerungen schon ein paarmal im Fitnessstudio und auch im Restaurant, und es hat so gutgetan. Ob ich in einem halben Jahr die Dinge noch so bewusst wahrnehmen werde, weiss ich nicht, aber ich werde die Zeit des Lockdowns sicher nicht so schnell vergessen.

Die Corona-Krise hat uns neue Möglichkeiten, aber auch Grenzen für unseren Alltag aufgezeigt. So können Meetings dank funktionierender Technik gut auch mal virtuell abgehalten werden, man braucht also nicht immer lange Reisen auf sich zu nehmen. Ganz generell klappt Homeoffice für uns Bürogummis meist äusserst gut – ja, es ist zweifelsohne angenehmer, zwei grosse Bildschirme im Büro vor sich zu haben, und ja, ab und zu sorgt die Technik zu Hause für kleine, ungeplante Pausen, aber die Qualität unserer Arbeit leidet keinesfalls darunter. Als absoluter Fitness-Fan habe ich gelernt, dass Sport im Freien auch äusserst gut fürs Gemüt ist und man nicht immer im stickigen Fitnessstudio trainieren braucht. Und als Reisefüdli muss ich mir eingestehen, dass wir auch in der Schweiz wunderschöne Orte haben. Ich muss also nicht immer in den Flieger steigen und ins Ausland reisen, um mir eine Auszeit zu gönnen und neue, schöne Flecken der Erde zu entdecken.

Aber wie am Anfang dieses Abschnitts erwähnt, sind wir von der ARGUS Sprachmanufaktur während des Lockdowns auch an manche Grenzen gestossen, vor allem wenn es um die Kommunikation im Team ging, die gerade in unserer Branche äusserst wichtig ist. Ein Grossteil ebendieser Kommunikation findet über Mimik und Gestik statt. An unserem Gesichtsausdruck und unserer Stimmlage kann man ablesen, wie das Gesagte gemeint ist. Und da konnte uns selbst die ganze Technik nicht helfen. In Stresssituationen kam es also trotz Videotelefonie vor, dass Missverständnisse entstanden. Und deswegen sind wir fünf Frauen von der ARGUS Sprachmanufaktur happy, nun jede Woche gemeinsam einen Tag im Büro zu sein, damit wir uns wieder persönlich austauschen und einwandfrei kommunizieren können.

Jasmin